12.11.2007
An die Bezirksregierung
32756 Detmold
Sehr geehrte Damen und Herren,
in einer Vorlage der Bürgermeisterin der Stadt Werther, Frau Weike, an die Mitglieder des Planungsausschusses der Stadt Werther vom 30.10.2007 heißt es u.a.: „Mit Vertretern der Bezirksplanungsbehörde habe ich am 22.10. hinsichtlich der landesplanerischen Einordnung der Biogasanlage in dem geplanten Umfang ein Abstimmungsgespräch geführt. Zu der geplanten Anlage wird die landesplanerische Zustimmung unter der Voraussetzung in Aussicht gestellt. dass der Stadtrat das Konzept einer „Alleinstellung“ dieser Anlage beschließt. Die von den Investoren aufgezeigten Möglichkeiten zur Nahwärmeversorgung wurden als beispielhaft bezeichnet.“
Im Folgenden erläutere ich Ihnen meine Sichtweise.
Bei meiner Rechnung lege ich folgende Werte aus der Fachliteratur zugrunde:
Gas-Otto Motor
elektrischer Wirkungsgrad: von 30-41% , gerechnet mit 41%
Zündstrahlmotorelektrischer Wirkungsgrad: von 35-45%, gerechnet mit 45%
--> gemittelt: 42%
Bei meiner Rechnung gehe ich unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Leistungen und der Wirkungsgrade von einem gemittelten Wirkungsgrad des BHKW der o.g. Anlage von 42% aus. Das folgt aus den höchsten in der Literatur gefundenen Werten.
Nach Angaben der Betreiber ergibt sich die Energiegewinnung wie folgt:
Jenbacher Gas-Otto-MotorenLeistung 1.052 kW /h
--> Leistung 68,2% bei gerechnetem Wirkungsgrad von 41%
ZündstrahlmotorenLeistung 490 kW /h
--> Leistung 31,8% bei gerechnetem Wirkungsgrad von 45%
Summe: 1.542 kW /h --> Leistung 100,0%Das ergibt ~13.507 MW jährliche elektrische Leistung, die mit ca. 1,472 Mio Euro vergütet wird. Da die in der Literatur genannten Werte unter optimalen Laborbedingungen erzielt werden, sind in der Praxis mindestens 2% in Abzug zu bringen. Das entspricht dann einem elektrischen Wirkungsgrad des BHKW von maximal 40%.
Bei einer Stromerzeugung dieser Größenordnung werden mindestens 20.261,88 MW Wärme erzeugt, das sind mindestens 60%.
Der durchschnittliche Wärmeverbrauch in Deutschland beträgt 170 kW Wärme pro Jahr und qm Wohnfläche. Da der durchschnittliche Wirkungsgrad der Heizungsanlagen unter 90% liegt, ist von einem maximalen Bedarf von 150 kW pro Jahr und qm Wohnfläche auszugehen. (Diese Zahlen liegen jedem Energieversorger vor.)
Der Betreiber geht z.B. von einem Wert aus, der 6 mal so hoch wie der Bundesdurchschnitt ist.
Ausgehend von 6.187 qm, nach Angabe der Betreiber, zu beheizender Wohnfläche à 150 kW errechnen sich 928,05 MW Wärme /Jahr. Dazu kämen 3.985 MW/Jahr für die Kofermenter-Anlage, den Stall, die Bonbonentpackung und Kartoffelgarung. Das ergibt insgesamt 4.913,65 MW/Jahr. Das sind maximal 24% der erzeugten Wärme.(Bei der Kofermenter-Anlage bin ich von einer pausenlosen Nutzung ausgegangen, bei der Kartoffelgarung habe ich tgl. 4 Std. angesetzt, bei der Bonbonentpackung 12 Std. tgl. das ganze Jahr über, bei der Stallheizung 75% Auslastung im Jahr.)
Von den erzeugten 20.261,88 MW Wärme werden also lediglich maximal 24% genutzt. Falls man jetzt noch berücksichtigt, dass z.B.
- die Energiebilanz der gesamten Anlage und nicht nur das BHKW betrachtet wird,
- die Anlage an warmen Tagen weniger Energie verbraucht,
- die Motoren die in der Literatur angegebenen Höchstwirkungsgrade nicht erreichen, bedingt durch Wartung, Verschleiß, verunreinigtes Gas etc.,
- Motoren zum Einsatz kommen, die von ihrer Konstruktion her die höchsten in der Literatur genannten Wirkungsgrade nicht erreichen,
- den im Laufe der Zeit weniger werdenden Energiebedarf des Wohnraums, bedingt durch gesetzlich geforderte oder/und freiwillige Verbesserungen im Bereich von Dämmung und Isolierung
ist die tatsächliche praktische Nutzung der Wärmeenergie mit weit unter 20% anzusetzen. Demnach heizen mehr als 80% der erzeugten Wärme der o.g. Anlage die Atmosphäre auf und verschlechtern die Klimabilanz.
Mit 15.348 MW ungenutzter Abwärme pro Jahr könnten theoretisch 102.320 m2 Wohnfläche beheizt werden. Das entspricht über 1000 Wohnungen von je 100 m2 Größe.
Das ist für mich auch beispielhaft, aber nicht im positiven Sinne. Falls Sie von meiner Sichtweise abweichen, würde ich mich freuen, eine Erklärung Ihrer Einschätzung zu erhalten. Weiterhin möchte ich Sie bitten, mir Ihre Forderung nach „Alleinstellung der Anlage“ zu erläutern.
Für Rückfragen, Literatur- und Quellennachweise würde ich mich freuen, Ihnen auch kurzfristig zur Verfügung stehen zu können.
Mit freundlichen Grüßen
N.N.
Der Autor dieses Briefes ist dem Administrator bekannt.
Leider hat er bis heute keine Antwort von der Bezirksregierung Detmold erhalten!